News

« Zurück zur Übersicht

…“magic“ ist, wenn man das JETZT vergisst – das XMAS-Interview

11. April 2016

CIMG0978SWBLROT75In knapp zwei Wochen findet die Audition zu „XMAS EPISODE ONE“, dem neuesten Weihnachtsmusicals des  Xmas Projekts des PERFORMING CENTER AUSTRIA, in der „Music City“ im Gasometer statt. Grund genug, um mit der diesjährigen Regisseurin, Rita SEREINIG, über die Anforderungen eines solchen Projekts genauso zu sprechen, wie über „magische“ Augenblicke im Theater.
Im Interview beleuchtet Rita, die nach wie vor auch als Darstellerin in großen Produktionen zu sehen ist, interessante Aspekte rund um das Xmas Projekt, das Musicalbusiness generell und die weite Welt des Theaters.

 

Rita, du hast bei großen Shows in der Wiener Stadthalle, wie zum Beispiel „CAMP ROCK“ und „ALADDIN Jr.“ äußerst erfolgreich Regie geführt. Jetzt inszenierst du zum ersten Mal das Xmas-Projekt. Wie ist deine persönliche Erwartungshaltung?

Rita: „Das Thema „Rita und ihre Erwartungen“ ist ein absolut komplexes. Ich versuche, „nichts“ zu erwarten, aber „alles“ anzustreben. Soll heißen, da ich in den letzten Jahre das XMAS-Projekt, entweder als Choreografin oder als interessierte Zuschauerin, immer genau verfolgt habe, weiß ich, dass das Niveau und die Energie der jungen Darsteller einzigartig ist und so eine ganz besondere Faszination auf mich ausübt.
So nehme ich beim Thema „Xmas“ fest an, dass meine Erwartungen noch übertroffen werden.“

Gibt es wesentliche Unterschiede in der Herangehensweise an ein Vorstellungsprojekt wenn man mit Jugendlichen oder Profis arbeitet?

Rita: „Ganz und gar nicht. Es gibt dafür keine Notwenigkeit. Für mich unterscheiden sich die Nachwuchstalente und mancher Profi nur im Punkto Lebensalter.“

Was sind die Unterschiede von einem Profi Darsteller und einem jugendlichen Nachwuchsdarsteller?

Rita: „Profis haben mit der Zeit natürlich ein Können erarbeitet und auch Routine für ihre darstellerische Arbeit auf der Bühne angeeignet. Dadurch können sie leichter mit Unvorhergesehenem umgehen und haben schneller einen Plan B zur Hand.
Diese Nicht-Routine kann aber gleichzeitig bei Nachwuchsdarstellern wiederum ein Vorteil sein, weil diese noch unbedarfter und entfernt von (Ein-)Gelerntem agieren und so eine erfrischende „Kraft“ ausstrahlen, die manchmal bei einem Profi nicht so zu sehen ist.“

CIMG0958SWBL75Was erwartest du dir generell von einem Darsteller?

Rita: „Mut zum Scheitern, den Partner gut ausschauen zu lassen und Strahlkraft.
Damit meine ich, dass viel Mut dazu gehört, sich auszuprobieren. Nicht immer perfekt sein zu wollen und somit keine Angst vorm Scheitern zu haben, ist extrem bereichernd für den Darsteller – aber in großem Ausmaß auch für das Leading Team.
Den Partner gut ausschauen lassen bedeutet für mich, sein eigenes Ego so unter Kontrolle zu haben, dass man immer auch für den Partner denkt und „wach“ bleibt und diesen im gegebenen Fall auch „retten“ kann. Solche Kollegen sind Gold wert!“

Was können junge Darsteller von arrivierten Darstellern lernen?

Rita: „Eine Qualität auf einem hohen Level immer wieder in ähnlicher Form abliefern zu können – Abläufe, Stagings, Energie, Cues und vieles mehr. Das komplexe Kraftwerk Theater funktioniert nur, wenn alle Zahnräder ineinander klicken – und das ist definitiv etwas zu Lernendes.“

Wann soll man mit „Theater Spielen“ grundsätzlich beginnen oder gibt es das ideale Einstiegsalter gar nicht? Gibt es Parallelen zum Sport?
Rita: „Meiner Meinung nach kann man nie früh genug damit anfangen. Aber man sollte tunlichst darauf achten, dass es im jungen Alter immer bei einem „spielerischen Herangehen“ bleibt.
So wie beim Sport kann man Theater ja auch gut erlernen. Es gibt Tricks und Regeln, die man  durch Übung immer mehr verinnerlicht, und die einem dann bestenfalls ohne großes Nachdenken ein Leben lang begleiten und wie ein Netz im Notfall immer wieder auffangen.“

Die Schwellenangst bei einem Casting für Kids ist oft ein Thema. Was rätst du jungen DarstellerInnen zwischen 10 und 18, die zum ersten Mal ein Musical-Casting versuchen?

Rita: „Die Betonung liegt auf alle Fälle auf „es unbedingt“ zu versuchen! Auch wenn bis zur letzten Minute kleine Zweifel da sein sollten, es vielleicht nicht zu schaffen. Wenn man etwas erst gar nicht versucht, hat man auch definitiv überhaupt keine Chance. Wenn man es aber wagt, hat man zumindest 50:50 und die große Möglichkeit, dass daraus etwas wachsen kann. Ich finde, man sollte sich allen Chancen im Leben stellen und sie auch als Geschenk sehen.
Ich würde auch dringend anraten, einen Song vorzusingen, den man besonders gern mag und nicht was vermeintlich eine Jury gern hören will.
Zeige einfach, dass du den Willen und die Energie hast, unbedingt auf der Bühne stehen zu wollen.
Das Wort Schwellenangst passt vielleicht beim über eine wacklige Brücke über einen Abgrund gehen, aber weniger im Zusammenhang mit der XMAS-Audition ;)“

CIMG0930SWBL75Kannst du uns schon etwas über „XMAS EPISODE ONE“ verraten?

Rita: „Hm…da muss ich jetzt ein bissl vorsichtig sein….
Tommy TATZBER, unser Autor, wäre nicht sehr glücklich wenn ich schon jetzt zu viel verraten würde…
Nur so viel: alles hat seinen Beginn…wie wurde zum Beispiel Peter Pan eigentlich zu dem Jungen der fliegen konnte? Um das zu beantworten, lese man: Peter und die Sternenfänger.
Und wie wurde aus dem süßen Anakin, Darth Vader und die dunkle Seite der Macht? Man gehe ins Kino ;)
Und wie wurde eigentlich aus XM….ha, fast hätte ich was verraten! Diese Frage wird spätestens im Dezember im Theater Akzent beantwortet ;)“

Welche „Typen“ und Charaktere werden beim neuen Buch „XMAS EPISODE ONE“ gesucht.

Rita: „Wir suchen UNTERSCHIEDLICHSTE Typen und Charaktere! Es wird sowohl für die Jüngeren als auch für die Älteren genug zu spielen geben.
Es werden Charaktere vorkommen, die es bis jetzt noch nicht wirklich in eine der bisherigen XMAS-Storybooks geschafft haben.“

Die Hauptproben finden im Sommer in Form eines dreiwöchigen Sommercamps statt. Was ist darunter zu verstehen? Was sind die Vorteile dieser Sommerproben?

Rita: „Durch diese intensive Probenzeit ist es möglich, das Stück schon im Sommer in groben Zügen fertigzustellen, damit wir uns dann an den Wochenenden bis Weihnachten auf den Feinschliff konzentrieren können.
Durch die intensive Phase kann man sich viel umfassender mit den Rollen, den Choreographien und Songs auseinandersetzen, ganz einfach auch deswegen, weil da der normale (Schul-)Alltag noch nicht auf den Schultern der jungen Darsteller lastet.“  

Du hast dir ganz bewusst für diese Produktion ein absolut hochkarätiges Leading Team ausgesucht, über das jede Profi Produktion glücklich wäre? Was waren deine Beweggründe dafür?
Rita: „Ja, das ist in der Tat eine wirklich tolle Truppe!! Ich bin mehr als happy, dass meine Kollegen zugesagt haben. Da ich weiß, dass jeder von ihnen auch zusätzlich noch als Darsteller, Lehrer oder Choreograph arbeitet, wollte ich vor allem die Choreographen entlasten und auch sicher stellen, dass ich alle vier haben kann ;) Sabine ARTHOLD, Susi RIETZ, Lisa TATZBER und Tom POMS sind absolute Top-Choreographen und ich durfte schon öfter mit ihnen zusammen arbeiten. Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter, Bernd LEICHTFRIED, der vor ein paar Jahren schon mehrmals musikalisch das Xmas Projekt leitete, sprechen wir alle die „gleiche Sprache“ und „grooven“ sehr gut miteinander.
…für die Darsteller ein absolutes Zuckerl, da sie dadurch unterschiedliche Stile kennen lernen und erarbeiten werden.“

ABD0023_20151018 - WIEN - …STERREICH: (v.l.) Patricia Nessy als "Aldonza" und Robert Meyer als "Don Quixote" (Cervantes) am Dienstag, 13. Oktober 2015, wŠhrend einer Fotoprobe des Musicals "Der Mann von la Mancha" in der Wiener Volksoper. Das StŸck hat am 17. Oktober 2015 Premiere. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER

als Darstellerin mit Intendant Robert Meyer in „Der Mann von La Mancha“- Volksoper-Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Du bist ein äußerst kreativer Mensch. Wonach suchst du dir Regieprojekte aus?

Rita: „In erster Linie nach Zeit ;)
Da ich selbst auch als Darstellerin auf der Bühne stehe, ist es lediglich der Zeitfaktor, der mich öfters daran hindert, nicht alle interessanten Regieprojekte annehmen zu können.
Energie dafür hätt ich, nur bräuchte der Tag dann mehr als 24 Stunden.“

Du bist selber Musical-Darstellerin, die bei den VBW oder in der Volksoper spielt. Dort triffst du ja immer wieder auch auf ehemalige Xmas Darsteller, die mittlerweile den Sprung zu den Profis schafften. Wie erklärst du dir, dass so viele ehemalige Xmasler danach den Sprung auf die professionelle Bühne schaffen? Was macht das Xmas Projekt so special? (u.a. Talenteförderung; Persönlichkeitsentwicklung etc.)

Rita: „Tatsächlich treffe ich immer wieder Xmasler im Profibereich und es wird dann auch immer gern über die „gute alte Zeit“ geplaudert.
Bei XMAS haben die Darsteller bereits in jungen Jahren die exzellente Möglichkeit – ähnlich einem Praktikums – den Beruf des Musicaldarstellers unter professionellen Theater-Rahmenbedingungen seitens des Leading Teams und des technisch modernen Theater Akzents wirklich von der Pike auf kennen zu lernen.
Denn neben erstklassigen Gesang-, Tanz- und Schauspielfähigkeiten hat der Faktor Bühnenerfahrung ebenfalls einen ganz hohen Stellenwert für einen Darsteller bzw. auch für Theaterbetriebe, die Darsteller engagieren.“

CIMG0976SWBL75Wenn du deinen künstlerischen Werdegang rückblickend betrachtest, hättest du in deiner Kindheit oder Jugend etwas anders bzw. früher gemacht?

Rita: „Ich hätte wohl früher zu singen begonnen. Der Weg zur Sängerin war für mich ein steiniger, da ich vom Leistungssport kam und so immer als „die Tänzerin“ gesehen wurde.
Bei mir hat es dann doch eine Zeit gedauert, dass dann das eigene Selbstverständnis und auch mein Umfeld zugeben musste, dass ich auch eine Sängerin bin. ;-)“

Wann wird für dich eine Aufführung „magic“?

Rita: „Wenn der Zuschauer durch die Performance auf der Bühne sein „JETZT“ total vergisst, weil er bereit ist, vollkommen in den Theatermoment einzutauchen. Hervorgerufen durch Darsteller, die durch ihr Agieren und Strahlen Energien entwickeln, die sich über die Bühnenkante bis in den Zuschauerraum ausbreiten und selbst den Letzten begeistert von den Sitzen reißt….dann hat man im Theater wirklich etwas Magisches erlebt.“

Warming Up

Rita beim „Warming Up“ vor dem finalen WORDRAP

DER ABSCHLIESSENDE WORDRAP

Was bist du für ein Typ?
Ein neugieriger, positiver, energetischer, sozialer Typ

Deine Lieblingsstadt?
Stockholm und London

Wenn ich als Tier zur Welt gekommen wäre, wäre ich ein…?
Erdmännchen

Welche Eissorte bevorzuge ich im Sommer beim Bortolotti?
Nutella und Stracciatella – da sind immer so große Schokostückchen drin :)

Lieblingsmusical?
Zur Zeit: „Hamilton“ und „Book of Mormon“.

Wenn ich ein Mann wäre, wäre ich am liebsten…?
…gleichberechtigt mit Frauen in allen Lebenslagen ;)

Eine kleine negative Eigenschaft von dir?
….ich hab auch große, aber die Frage ist ja nach einer kleinen un da würde ich jetzt einmal Ungeduld sagen…

Wie kommst du am schnellsten von A nach B?
Mit Francesco, meiner Vespa

Wenn ich nicht Künstlerin geworden wäre, wäre ich heute…?
Sozialpädagogin

Eine kleine positive Eigenschaft von dir?
….eine kleine? ;) …ich bin nicht unlustig… ;-)

XMAS EPISODE ONE wird…?
…ganz sicher „magic“ !

 

„XMAS EPISODE ONE“ – Casting am 23. und 24. April 2016 ab 9:00 Uhr

Hier geht´s zur Infoseite und dem Anmeldeformular!

data-href="http://www.performingcenter.at/magic-ist-wenn-man-das-jetzt-vergisst-das-interview-zum-xmas-nachwuchs-casting/" data-layout="standard" data-action="like" data-show-faces="false">