Interviews
Der Regisseur Hannes Muik über "1070Wien"
Der gebürtige Grazer Hannes Muik besuchte bereits während seines Zivildienstes als Gast die Performing Arts Studios Vienna, bevor er beim ersten Antreten die Aufnahmeprüfung schaffte. Schon während seiner dreijährigen Ausbildungszeit wurde er von den Vereinigten Bühnen Wien für "Tanz der Vampire" ans Raimund Theater engagiert, wobei er die Doppelbelastung Ausbildung untertags und Aufführungen am Abend mit einer professionellen Einstellung schaffte. Es folgten Fernsehauftritte wie "Die kranken Schwester" und weitere Produktionen, in denen er als Darsteller zu sehen war.
Nach seinem Abschluss spielte er unter anderem die Titelrolle "Joseph" in "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat" im Musicalsommer Amstetten und in weitere Folge auch im Wiener Raimund Theater. Gemeinsam mit Werner Sobotka entwickelte er in den folgenden Jahren zahlreiche gemeinsame Projekte als Autor und Regisseur.
2004 übernahm er die Inszenierung für die Performing Arts Studios Vienna Eigenproduktion "FINIX", die als Europatournee in Bozen, Trient, Ljubljana und in Wien im Raimund Theater mit großem Erfolg zu sehen war.
Mit "1070Wien" bleiben er und die Performing Arts Studios Vienna beim eingeschlagenen Weg, gemeinsam Uraufführungen in Wien umzusetzen, denn wie bei "FINIX" ist auch bei "1070Wien" sowohl das Buch, die Dramaturgie, Liedtexte als auch die Musik absolut neu.
PCA:
Wie sieht Hannes Muik die Entwicklung von Hannes Muik vom Zivildiener, Ausbildungsstudent, Musicalstar, Autor zum Regisseur - war das ein logischer und immer schon fix geplanter Weg?
HANNES MUIK:
Ich sehe den Beginn meiner Entwicklung von meiner Geburt aus. Im Kopf kann man nichts planen, es gibt von Geburt an viele Wege, man muss sich nur einen aussuchen und ihn dann auch mit Freude und Wissbegierde gehen. Immer wenn ich gemerkt habe, dass ich keine Freude mehr empfinde, oder ich nichts lernen kann, bin ich einen anderen Weg gegangen, wo das möglich war. So bin ich dahin gekommen, wo ich jetzt bin. (Unter anderem mache ich jetzt auch Regie.)
PCA:
Was waren die wichtigsten "Milestones" in deiner Karriere?
HANNES MUIK:
Es wäre ungerecht und ein bisschen respektlos zu werten.
PCA:
"FINIX" war für dich als Regisseur deine erste große Musicalproduktion, bei der viele junge Darsteller und Personen involviert waren und die dann gleich auch im Ausland gespielt wurde. Hast du irgendwann Bedenken gehabt, dass so eine große Produktion zu früh für dich kommt?
HANNES MUIK:
Ich hatte vor "Finix" Gott sei Dank schon viel Erfahrung mit großen Produktionen gesammelt, auf- und hinter der Bühne (Danke, Werner Sobotka und allen anderen Verantwortlichen.) Allerdings stimmt es, dass ich hier das erste Mal allein Regie geführt habe. Wenn ich gezweifelt hätte, wäre ich nicht auf das Angebot eingegangen. Mir sind kleine Projekte an und für sich lieber, wobei das nichts mit der Arbeit an "Finix" zu tun hat.)
PCA:
Welche Art künstlerischer Stoffe interessieren dich?
HANNES MUIK:
Alle, die tatsächlich einem künstlerischen Anspruch gerecht werden, d.h. sich mit der Seele von Menschen und Situationen auseinandersetzen.
PCA:
Wie gehst du an eine neue Produktion heran? Was ist bei einer Neuaufführung für dich am wichtigsten?
HANNES MUIK:
Kreativität.
PCA:
Wenn wir konkret jetzt "1070Wien" betrachten, wie bist du an die Entwicklung dieses Stoffes herangegangen?
HANNES MUIK:
Gemeinsam mit Claudia und mit den Studenten haben wir gesucht, mit welchen Themen wir uns im Alltag auseinandersetzen, was uns beschäftigt.
PCA:
Worum geht es in "1070 Wien"?
HANNES MUIK:
Um 11 Menschen zwischen 20 und 30 und die Art wie sie ihr Leben meistern.
PCA:
Du hast das Buch gemeinsam mit Claudia Bühlmann entwickelt und Michael Schnack hat die gesamte Komposition beigesteuert. Wie habt ihr euch gegenseitig ergänzt?
HANNES MUIK:
Ich kann mir keine besseren Kollegen wünschen (echt).
Man darf sich nicht gegenseitig blockieren, sondern mit der eigenen Kreativität und mit der des anderen umgehen, wie bei einem Ballspiel. Man darf nie vergessen den Ball auch wieder zurück zu werfen, und muss auch immer wieder einen zugeworfen bekommen, sonst schläft man irgendwann ein, oder das ganze Spiel wird fad.
PCA:
"1070 Wien" spielt bewusst in einem kleinen Rahmen mit rund 150 Zuseherplätzen, wobei die Spielfläche von den Zusehern umrahmt ist. Warum?
HANNES MUIK:
Der kleine Rahmen entspricht dem Stück und dessen Charakter. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Darstellern, wir können sie so wirklich ansehen, sie spüren, sie riechen.
PCA:
Was ist für dich als Regisseur wichtig, wenn du ein Stück inszenierst, Rollen gestaltest und Darsteller führst?
HANNES MUIK:
Die Darsteller müssen Spaß daran haben, ihre Rolle kennen zu lernen, wie sie einen anderen, realen Menschen kennen lernen und müssen immer neugierig bleiben. Dann ist es auch für mich so, als würde ich plötzlich viele neue Leute und Situationen kennen lernen. Das ist es auch, was der Zuschauer möchten: neue Menschen und Situationen kennen lernen, neugierig gemacht werden.
PCA:
Du hast vor Jahren dieselbe Entwicklung als Performing Arts Student durchlaufen, wie deine 11 Hauptdarsteller in "1070Wien". Gibt es da manchmal ein "Deja Vu" und wie wirkt sich das auf deine Regiearbeit aus?
HANNES MUIK:
Nein, ich kenne die Situation zwar auf beiden Seiten sehr gut was bestimmt ein Vorteil ist und sicher viel Nerven spart, fühle mich aber nie in "alte Ausbildungszeiten" zurückversetzt.
PCA:
Worauf muss man besonders achten wenn man mit jungen Talenten arbeitet?
HANNES MUIK:
Sie müssen sich selbst erst kennen lernen. Man muss darauf achten, dass sie lernen sich zu mögen, um das Talent in ihnen schätzen und zu lieben lernen. Es passiert schnell, dass ein noch nicht entwickeltes Talent sich in sein (Schnecken-)Haus versteckt, und vielleicht nie mehr wachsen will.
PCA:
"1070Wien" ist bereits die 4. Eigenproduktion und Uraufführung der Performing Arts Studios Vienna. Trotzdem bilden die Performing Arts Studios Vienna dabei eine Ausnahmeerscheinung in Österreich. Warum gibt es deiner Meinung nach so wenige Uraufführungen im Musicalbereich?
HANNES MUIK:
Musical ist eine der schwersten und komplexesten Sparten im Theaterbereich. Es ist mit viel Arbeit und Know-how verbunden, und verlangt jedem Beteiligten viel Nerven und Kraft ab. Nicht jeder ist immer bereit dazu.
PCA:
Wie beurteilst du die Wiener Musical Situation und Zukunft?
HANNES MUIK:
Es liegt nicht an mir als Künstler, es zu beurteilen, es liegt an mir, es zu gestalten, und nach meinen besten Möglichkeiten kreativ zu sein. Daraus ergibt sich die Zukunft von selbst.
PCA:
Wo siehst du deine persönliche Zukunft? Was sind deine Pläne?
HANNES MUIK:
Die Zukunft gibt es erst, wenn sie die Gegenwart geworden ist. Deshalb möchte ich aufmerksam im Jetzt kreativ sein und mich den Aufgaben stellen, die an mich vom aktuellen Augenblick herangetragen werden.
Ich kann die Zukunft nicht wissen, und weiß mittlerweile auch, dass ich sie nicht manipulieren kann. Konkrete Pläne zu schmieden wäre Zeitverschwendung. "Wünschen" tu ich mir viel, das bleibt aber bei mir.
PCA:
Gibt es ein unvergessliches Erlebnis das du in deiner Laufbahn als Darsteller oder Regisseur auf der Bühne in Erinnerung hast?
HANNES MUIK:
Jede Herausforderung, die ich angenommen habe, und jede Angst und jeder Selbstzweifel, den ich bezwungen habe, ist ein unvergessliches Erlebnis.
"1070Wien" wird am 23./26.4. sowie am 2. und 7. Mai 2006 im "Ost"; Schwindgasse 1, Ecke Schwarzenbergplatz; 1040 Wien gezeigt!
Karten unter info@performingcenter.at; www.performingcenter.at oder 01/522 81 44



