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Interview: „Wenn das Lampenfieber steigt.“

5. Dezember 2014
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photo by Peggy Fink

Wenn am 12.Dezember 2014 die Spielserie „A very Gaga XMAS SONG“ mit der Premiere startet, werden die DarstellerInnen vor dem Öffnen des Vorhangs dieses berühmte Kribbeln im Bauch spüren, das man landläufig auch unter dem berühmten Ausdruck „Lampenfieber“ kennt. Aber nicht nur die jungen DarstellerInnen werden dieses Lampenfieber spüren, sondern natürlich – mindestens genauso stark – das Leading Team des Xmas Projekts, das mehr als ein halbes Jahr mit diesem Projekt so eng verbunden war.
Eine Person wird dann vermutlich zu Beginn der Vorstellung noch ein Quentchen nervöser in den dunklen Seitengassen der Bühne stehen und hoffen, dass die Kids all das zeigen können, was sie so drauf haben und bereits bei den Proben immer wieder gezeigt haben.
Bei dieser Person handelt es sich um den diesjährigen Regisseur und Buchautor von „A very Gaga Xmas Song“, Jürgen KAPAUN, der die Situation der jungen KünstlerInnen aus eigener Erfahrung kennt, war er doch als Jugendlicher vor Jahren selbst öfters Ensemblemitglied beim XMAS Projekt, das Vorbereitung für die dreijährige Musicalausbildung  PERFORMING ACADEMY war, die er mit Erfolg abschloss, um seitdem permanent in vielen unterschiedlichen Bühnen- und Filmproduktionen als Darsteller tätig zu sein.
Auch im Regiebereich zeigt er genau das, was ihn auch als Menschen so auszeichnet, nämlich seine Leidenschaft, sein keativer und positiver Zugang zu neuen Themen und Menschen aber vor allem auch sein gutes Gespür für junge Darsteller. Mittlerweile ist „Xmas Song“ bereits seine vierte Regiearbeit beim XMAS Projekt des Performing Center Austria.

Grund genug, ihn knapp vor der Premiere näher zu dieser Produktion, den Hintergünden, seiner Motivation und Erkenntissen zu interviewen, um so nicht nur neue Perspektiven zu eröffnen und Backstageinfos zu erfahren, sondern vor allem auch den Menschen, Jürgen Kapaun, besser kennen lernen zu können.

 

Die Premiere von „A VERY GAGA XMAS SONG“ steht ja kurz bevor. Wie fühlst du dich als Regisseur? Welche Eindrücke aus der Probenzeit nimmst du mit und welche Wünsche hast du, so kurz bevor das Publikum das Stück zu sehen bekommt?

Wenige Tage vor der Premiere kann ich sagen, ich bin wunschlos glücklich. Die Idee zu diesem Stück begleitet mich bereits seit meiner ersten Xmas-Regiearbeit und ich bin sehr glücklich, dass ich nun, 3 Jahre später, ein Produktionsteam und ein Ensemble um mich habe, die diese Idee mit mir weiterentwickelt haben. Ich bin froh, dass alle Beteiligten die Thematik des Stücks so begeistert aufgenommen haben, so wie sie mich begeistert. Es war schön zu sehen, wie sich alle in der Probenzeit dafür geöffnet haben, auch weil es für manche zu Beginn doch gar nicht so einfach war, all diese „nicht greifbaren“, mitunter unlogischen, unrealistischen, fantastischen Ansätze in der Geschichte und auch in der Inszenierung hinzunehmen und nicht erklären zu müssen, sondern mit kindlichem Glauben einfach als gegeben anzusehen. Ich habe das Gefühl, wir alle, ob Leading Team oder Darsteller, haben unser inneres Kind wieder wachgerüttelt.
In den Endproben nun zu sehen, wie alle Abteilungen (wie Licht, Ton, Kostüm, Bühne, Musik, Text und Darsteller) ineinander greifen – das Wunder Theater – ist unbezahlbar.

IMG_3343TM45Du hast ja das Buch zu XMAS SONG geschrieben. Dieses Thema, aber vor allem auch wie es umgesetzt wird, war ja ein ausgesprochener Wunsch von dir. Was verbindest du damit?

Kurz gesagt lautet das Thema ja: In uns allen schlummert ein inneres Kind, das dafür verantwortlich ist, dass wir an Dinge glauben, die wir nicht erklären können, die uns jedoch faszinieren. Dieses innere Kind benötigt Lebensenergie, und die schöpft es aus Kreativität.
Kinder sind meist offener für vieles und glauben, ohne lang zu hinterfragen, an beispielsweise das Christkind, den Weihnachtsmann oder den Osterhasen.
Leider wird uns im Älter werden diese Lebenseinstellung nach und nach ausgetrieben. Der Ernst des Lebens nimmt überhand. Kreativität bietet aber ein Gegengewicht dazu. Mein Lebensmotto war schon immer, nicht auf das Kind in mir zu vergessen.
Ich will nie vollends „erwachsen“ werden. Oder wie die Figur der Lady sagt – ich „lasse es spielen“.
Lady Gaga ist für mich eine Künstlerin, die dieses Motto meiner Meinung nach auch auslebt, zugegeben teilweise exzessiv. Über ihrer künstlerischen Arbeit steht stets die Message, dass nichts falsch oder richtig ist, gut oder schlecht, solange es aus dir kommt. Kreativität ist etwas Individuelles, und auch jeder Mensch sollte immer versuchen, ein „Einzelstück“ zu bleiben. Nur wer anders ist, ist einzigartig. Diese Einstellung war mir wichtig, zu erzählen, was sich auch in der Inszenierung oder den Kostümen wiederspiegelt.
Und so ganz neben bei bin ich ein großer Fan von Lady Gaga und ihrer Musik. Da trifft es sich für mich ganz gut, sie und ihre Themen für XMAS zu übernehmen ;)

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photo by Peggy Fink

Was bedeutet die Weihnachtszeit für Dich? Was für Gedanken verbindest du persönlich mit Weihnachten. Und was macht für dich den Zauber des XMAS Projekts im speziellen aus?

Ich mag die Vorweihnachtszeit ja lieber als Weihnachten selbst. Vielleicht, weil Vorfreude ja die schönste Freude ist. Ich mag es, mehrere Wochen lang von Weihnachtsbeleuchtung, und -dekoration, Maroni-, Punsch- und Keksgeruch, Weihnachtssongs etc. umgeben zu sein. Weihnachten selbst ist dann so ein stiller Moment, ich hab am 24.12. immer ein bisschen das Gefühl die Welt dreht sich ein wenig langsamer und leiser. Das mag ich auch.

Ja, und seit 3 Jahren begleitet mich das XMAS Projekt (wieder) durch diese Zeit. Der Countdown zur Premiere läuft Hand in Hand mit der Vorfreude auf Weihnachten. Ich denke, genau das macht unter anderem den Zauber des Projekts aus. Eine Gruppe von Menschen, die sich erst durch dieses Projekt kennenlernt, wird zunehmend zusammengeschweißt, Freundschaften entstehen, und gemeinsam bringt man im Dezember etwas auf die Bühne, auf das man absolut stolz sein kann. Für mich, als Regisseur, ist es dann zusätzlich noch ein Traum, zu sehen, was für eine unglaubliche Entwicklung jeder Einzelne in diesen mehr als vier Monaten durchmacht.

Wie ist es für Dich, mit deinem Wunsch Leading – Team beim Xmas Projekt zusammenarbeiten zu können?

Gerade Lisa Tatzber, Thomas Poms und ich sind mittlerweile ein sehr gut eingespieltes Team, wir denken ähnlich und ergänzen uns. Mit Freunden zu arbeiten erleichtert die Sache sehr.
Mit Valerie Lichtenwörther habe ich heuer eine weitere Choreografin im Team, die mit ihrem Stil so gut auf die Musik von Lady Gaga passt und mit ihrer positiven, motivierenden Art ideal für die Arbeit mit Jugendlichen ist.
Arpad Krämer bringt als musikalischer Leiter der Produktion jede Menge Erfahrung mit, nicht zu vergessen seine hervorragenden Chorarrangements.
Unsere Kostümbildnerin Katja Neubauer, auch schon ein „alter Hase“ im Team, liefert passend zum Thema heuer fantastische, außergewöhnliche Kostüme, mit viel Liebe bis ins kleinste Detail.
Thomas Poms hat sich auch heuer wieder (neben seiner choreografischen Arbeit) bei der Bearbeitung der Playbacks für die Show selbst übertroffen. Da wurde gemasht, geremixt, geschnitten und vieles mehr.
Mit Rebecca Fink habe ich heuer wieder eine ehemalige XMAS Darstellerin als Regieassistenz an meiner Seite. Sie weiß durch ihre XMAS Vergangenheit auf was es bei XMAS ankommt und wo der manchmal schusselige Regisseur eine rechte Hand benötigt.
Nicht zu vergessen Tommy Tatzber, ohne den es heuer keine Songtexte gäbe. Ich habe diese Aufgabe gerne ihm überlassen, er kann das einfach richtig gut!

Kurzum: Wenn ich mir mein Team so ansehe – kann ich mich sehr glücklich schätzen!

IMG_7762TM-vertWie waren die Erfahrungen mit den jungen Künstlern des diesjährigen Xmas Projekts, ein professionelles Musical auf die Bühne zu bringen?

Wie schon erwähnt, es war toll zu sehen, wie sie sich auf dieses Experiment eingelassen haben. Viele, die in einer der Sparten (Tanz, Gesang, Schauspiel) noch wenig Erfahrung mitbrachten, haben so viele Fortschritte gemacht. Und alle 33 bereichern die Produktion mit ihrem Talent enorm. Und das ist wichtig, denn jede/r Einzelne ist ein individueller Puzzlestein für das Gesamtkunstwerk „XMAS“.

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photo by Peggy Fink

Jetzt hast du ja in der Arbeit im Nachwuchsbereich bereits viel Erfahrung und speziell im Performing Center Austria gibt es ja viele interessante Talente. Aber reicht Talent alleine aus, um letztendlich vielleicht den Sprung zum Profi in späteren Jahren schaffen zu können? Wie siehst du das?

Talent ist der Grundstein. Ohne harte Arbeit, den Rohdiamant „Talent“ zu schleifen, würde es aber bei diesem Grundstein bleiben. Du brauchst Leidenschaft, Durchhaltevermögen und den Drang, unbedingt auf der Bühne stehen zu wollen. Der Wunsch, berühmt und reich zu werden sollte nicht im Vordergrund stehen. Um einen sogenannten Druchbruch zu schaffen, da gehört dann noch eine gehörige Portion Glück dazu.

Nach den XMAS – Aufführungen ist das Jahr 2014 schon bald zu Ende. Welche Wünsche und Träume hast du für 2015?

Persönlich hoffe ich, dass es für mich so weiter geht, wie es das nun schon seit einer Weile tut. Ich habe das Privileg, beruflich genau das machen zu können, was ich unheimlich gern mache. Ich weiß, dass ist nicht immer selbstverständlich.

Allgemein gesehen wäre es schön, wenn es da draußen in der Welt ein wenig friedlicher zu gehen würde.

Und auf XMAS 2015 bezogen – hoffe ich, dass dem Projekt weiterhin der Erfolg zuteil wird, den es und seine Darsteller verdient und freue mich darauf, viele neue und alte Talente bei der nächsten Audition zu treffen :)

Karten zu „A very Gaga XMAS SONG“ sind für die Abendtermine am 12.12.; 19.12. und 22.12.2014 jeweils um 19:00 Uhr über die Homepage des Theater Akzent erhältlich.

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